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Thema: Two Minutes Hate

  1. #1
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    Two Minutes Hate

    Während unsere wundervollen Medien damit beschäftigt sind, wundervolle Propagandabeiträge über unseren wundervollen neuen Bundesgauck zu veröffentlichen, werden in New York mal wieder ein paar von diesen lästigen Steinewerfern festgenommen. Aber das ist den Massenmedien nicht mal eine Randnotiz wert, und wer liest schon die Nordbayern-Zeitung?
    Ein armer, armer Welt-Redakteur, der seinen letzten Groschen aus Altruismus in griechische Staatspapiere gesteckt hat, fährt schwere Geschütze gegen den Schuldenschnitt auf. Er sei „entrechtet und enteignet“ worden. Nun ja, viele Linke haben vor dem Schuldenschnitt gewarnt – unter Anderem mit dem Argument, er treffe viele Kleinanleger, die vor Beginn der Krise ohne jede spekulative Absicht in griechische Anleihen investiert haben. Bei ihm liegt der Fall jedoch etwas anders. Stocker hat die Papiere gekauft, als die Krise bereits abzusehen und die Rendite, aber auch das Risiko daher höher war. Aus seiner Perspektive ist das Gejammer daher unverständlich. Wer investiert, trägt das Risiko; dafür bekommt er ja im Erfolgsfall höhere Zinsen – so funktioniert Kapitalismus. Und wenn er Merkels Absichtserklärungen glaubt, ist er eben selbst schuld.
    Unterdessen stellt Wolfgang Schäuble klar, was er unter der von der Bundeskanzlerin proklamierten marktkonformen Demokratie versteht. Es sei „sehr bedenklich“, dass im April die bereits einmal um zwei Monate verschobene Parlamentswahl stattfinden soll. Genauso bedenklich vermutlich wie das vom ehemaligen Ministerpräsidenten Papandreou einstmals vorgeschlagene Referendum war, welches innerhalb von nur wenigen Tagen zum sofortigen Stopp der „Hilfs“kredite und dann zu seinem „freiwilligen“ Rücktritt führte.
    Marktradikalismus und Demokratie haben sich noch nie miteinander vertragen. Neu ist allein, dass die Diktatur der Technokraten nun nicht mehr in irgendwelchen „unwichtigen“ Entwicklungs- und Schwellenländern eingeführt wird, sondern in entwickelten, in Europa integrierten Industrieländern. Auch die in Griechenland herbeigeführte Rezession passt bestens in den Plan, eröffnet sie doch die Möglichkeit, mit der schwerwiegenden Krise neben der neoliberalen Schocktherapie auch noch die Aussetzung der Demokratie zu rechtfertigen. Intelligent ist das schon, das muss man neidlos anerkennen.

  2. #2
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    Avatar von Maschendrahtzaun
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    AW: Two Minutes Hate

    Zitat Zitat von yury Beitrag anzeigen
    Marktradikalismus und Demokratie haben sich noch nie miteinander vertragen.
    Das kann man beurteilen, wie man will, und auch durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, aber das sei mal dahingestellt.
    Allerdings fallen dem geneigten Leser zweifelsfrei Dinge auf, die sich noch deutlich weniger mit der Demokratie vertragen.
    Sozialismus zum Beispiel.

    Neu ist allein, dass die Diktatur der Technokraten nun nicht mehr in irgendwelchen „unwichtigen“ Entwicklungs- und Schwellenländern eingeführt wird, sondern in entwickelten, in Europa integrierten Industrieländern.
    Griechenland ein Industriestaat?
    Vielleicht auf dem Papier, aber bestimmt nicht auf einer Stufe mit der marktradikalen Achse des Bösen...

    Auch die in Griechenland herbeigeführte Rezession passt bestens in den Plan, eröffnet sie doch die Möglichkeit, mit der schwerwiegenden Krise neben der neoliberalen Schocktherapie auch noch die Aussetzung der Demokratie zu rechtfertigen. Intelligent ist das schon, das muss man neidlos anerkennen.
    Wie?
    Die Rezession in Griechenland wurde mutwillig herbeigeführt?
    Alles eine große Verschwörung, die Deutschen, die Kapitalisten und andere Schweine?
    Und das alles nur, um in Griechenland die Demokratie aussetzen zu dürfen?
    Schade yury, bisher hatte ich dich eigentlich für intelligenter gehalten...
    Bevor man seinen Kopf schüttelt, vergewissere man sich, ob man einen besitzt.

  3. #3
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    AW: Two Minutes Hate

    [QUOTE=Maschendrahtzaun]
    Zitat Zitat von Maschendrahtzaun Beitrag anzeigen
    Das kann man beurteilen, wie man will, und auch durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, aber das sei mal dahingestellt.
    Allerdings fallen dem geneigten Leser zweifelsfrei Dinge auf, die sich noch deutlich weniger mit der Demokratie vertragen.
    Sozialismus zum Beispiel.
    Ja, weiß ich doch. Für Konservative und Neoliberale ist der Sozialismus ja die Quelle des Bösen, und nebenher der sogenannte „Nationalsozialismus“ auch noch eine Form des Sozialismus. Aber objektiv ist das alles nicht, und vielleicht kann man Dich aufgrund dieser Weltanschauung auch nicht ernst nehmen.

    Aber das ist nicht mein Stil. Das Problem bei dem Neoliberalismus, das übrigens die Linken nicht erst erfunden, sondern allenfalls am zutreffendsten charakterisiert haben, ist ja, daß durch die gewaltige Potenz der Monopole und Oligopole, der Staat darauf angewiesen ist, mit diesen Monopolen und Oligopolen gemeinsame Sache zu machen, auch wenn es den Interessen der Mehrheitsbevölkerung zuwiderläuft. Da wird dann z. B gerne einmal die Strafverfolgung verschärft, anstatt an die wichtigste Ursache der Kriminalität zu gehen, nämlich an die soziale Frage, es werden Initiativen der Bevölkerung, etwa gegen die Verschmutzung der Umwelt aus Profitgründen ignoriert, unterwandert oder bekämpft, es werden soziale Einrichtungen geschlossen, um Geld für die Steuersenkungen zu haben, um eben das Kapital im Land zu behalten. Der Monopolkapitalismus ist schon von seinem Kern her elitär und mit Demokratie nur sehr schlecht vereinbar, und genau das ist der Punkt, auf den yury aufmerksam gemacht hat.

    Sozialismus dagegen wurde ursprünglich zusammen mit der Demokratie gedacht, denn es waren schließlich die Sozialisten selbst, die am aktivsten gegen den kaiserlichen Polizeistaat und das sozial diskriminierende preußische Dreiklassenwahlrecht aufbegehrt haben. Die Ideale der Französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schienen die vollendete Demokratie überhaupt abzubilden. Es ist ja überhaupt erst einmal der Sozialismus, der herstellt, daß der Wirtschaftsprozeß gemeinschaftlich hergestellt wird und damit nicht hierarchisch, wie wenn das der Fall ist, wenn einer etwas besitzt und andere für ihn arbeiten müssen.

    Der Sozialismus muß also erst deformiert werden, um gegen die Ideale der Demokratie gerichtet zu sein, der Kapitalismus ist schon per se antidemokratisch. Wichtig ist beim Sozialismus immer, darauf zu achten, wer überhaupt in die Besitztümer des Volkes gelangt. Wenn es wie vom Ideal ausgehend das Volk ist, kann dieser Sozialismus nicht antidemokratisch sein.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  4. #4
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    AW: Two Minutes Hate

    Zitat Zitat von Maschendrahtzaun Beitrag anzeigen
    Das kann man beurteilen, wie man will, und auch durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, aber das sei mal dahingestellt.
    Allerdings fallen dem geneigten Leser zweifelsfrei Dinge auf, die sich noch deutlich weniger mit der Demokratie vertragen.
    Sozialismus zum Beispiel.
    Meinst Du so wie z.B. in Chile, wo der brutale Diktator Allende mit demokratischen Mitteln und der Hilfe der liberalen Demokratie USA durch den Demokraten Pinochet ersetzt wurde?



    Zitat Zitat von Maschendrahtzaun Beitrag anzeigen
    Griechenland ein Industriestaat?
    Vielleicht auf dem Papier, aber bestimmt nicht auf einer Stufe mit der marktradikalen Achse des Bösen...
    Auf dem Papier? Griechenland ist immerhin Mitglied der OECD...


    Zitat Zitat von Maschendrahtzaun Beitrag anzeigen
    Wie?
    Die Rezession in Griechenland wurde mutwillig herbeigeführt?
    Alles eine große Verschwörung, die Deutschen, die Kapitalisten und andere Schweine?
    Und das alles nur, um in Griechenland die Demokratie aussetzen zu dürfen?
    Schade yury, bisher hatte ich dich eigentlich für intelligenter gehalten...
    Es war nun wirklich abzusehen, dass es bei solchen Sparmaßnahmen zu einer Rezession kommen würde. Die Verantwortlichen sind also entweder von ihrer Weltanschauung verblendet oder sie nehmen es bewusst in Kauf, sind also von Partikularinteressen statt vom Gemeinwohl geleitet. Die freundlichere Auslegung der Fakten wäre, dass sie so in ihrer Ideologie der schwäbischen Hausfrau verhaftet sind, dass sie die Realität nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Leider spricht die Wiederholung für das Gegenteil...

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