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Thema: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

  1. #1
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    Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Wenn eine Kombination möglich ist, dann sieht das nicht nur schön aus, sondern ist vielfach auch der Garant für den Sieg. Doch es stellt sich natürlich nicht nur die Aufgabe, diese dann auch zu finden (zur Übung dafür gibt es Taktikbücher), sondern sie auch erst einmal zu ermöglichen. In diesem Thread soll also darüber diskutiert werden, wie man sich selbst eine Kombination erarbeiten kann.

    Gerne stelle ich dabei meine Meinung vor, die ich mir selbst zu diesem Thema gebildet habe:

    1. Gutes positionelles Spiel als Grundlage für Kombinationen
    2. Offensives Spiel
    3. Steigender Druck und Komplexität erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Kombinationen

    Ich weiß selber, daß meine bisher zu diesem Thema gebildete Meinung noch nicht vollständig ist, deshalb lade ich euch herzlich zu Verbesserungen und Ergänzungen zu diesem für einen Schachspieler äußerst wichtigen praktischen Thema ein!
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  2. #2
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Ich glaube nicht, dass man einen gewinnbringenden Kombination immer erzwingen kann. Zum Schach spielen gehören immer zwei und der Gegner kann die Kombis auch abwehren. Daher ist es, glaube ich zumindest, mehr Glücksfall eine Kombination zu haben, die Material oder Matt beschert.

    Man sollte daher mit Kombinationen drohen, um den Gegner in Zugzwang zu bringen. Natürlich nicht eine 0815-Drohung nach der nächsten und mal sehen, ob der Gegner drauf auch reinfällt. Aber mit Kombinationen zu drohen, obwohl man weiß, dass der Gegner sie abwehren kann, führt oft zu Initiative und Vorteil.

    Es hilft auf die Schwachstellen des Gegners zu spielen, um eine solche gewinnbringende Kombi zu bekommen (also eine mit mindestens Materialgewinn). Richtig gespielt hat der Gegner wegen seiner Schwäche dann keine gute Verteidigung mehr. Dazu poste ich später noch eine Stellung aus eine chessmail-Partie, aber erst, wenn ich das Spiel beendet habe.

    Fazit: Gewinnbringende Kombis kann man nicht unbedingt erzwingen, aber man kann mit ihnen drohen, um den Gegner zurück zu drängen und Schwächen zu schaffen. Das erhöht die Chance, eine Gewinnkombo zu schaffen.
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  3. #3
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Da fällt mir ein, ein zeitgenössischer GM hat mal über Alexander Aljechin gesagt, seine Kombination würde ich auch finden. Allein, ich komme nie in solche Stellungen. Irgendetwas hat Aljechin in seinem Spiel also richtig gemacht.
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  4. #4
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    [Event "Wertungsspiel d67948af000b4294"]
    [Site "http://www.chessmail.de"]
    [White "hako"]
    [Black "???"]
    [Result "1-0"]

    1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 Bd6 4.O-O Nf6 5.Re1 O-O 6.c3 a6 7.Ba4 b5 8.Bc2 a5 9.d4
    exd4 10.cxd4 Bb4 11.Bd2 Bxd2 12.Nbxd2 b4 13.e5 Nd5 14.Be4 Nde7 15.d5 Na7 16.d6
    Nec6 17.Nc4 cxd6 18.Nxd6 Qe7 19.Nd4 Rb8 20.Qg4 g6 21.N4f5 Qe6 22.Qg5 Nxe5 23.Bd5
    Qxd5 24.Nh6+ Kg7 25.Ndf5+ Kh8 26.Qf6# 1-0

    Hier mein versprochenes Beispiel.

    Durch die schlecht positionierten schwarzen Springer meines Gegners war ein Angriff auf den rochierten König schnell möglich. Er hat mit g6 pariert, was mir meine Mattkombination ermöglicht hat (vorausgesetzt ich habe nicht übersehen ).
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  5. #5
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    vielleicht könnte man das "scheinopfer" als vierten punkt in kiffings liste aufnehmen. es sei denn, man betrachtet das scheinopfer selbst schon als bestandteil der kombination.

  6. #6
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Zitat Zitat von Kampfkeks Beitrag anzeigen
    Es sei denn, man betrachtet das scheinopfer selbst schon als bestandteil der kombination.
    Würde ich zumindest tatsächlich so sehen
    http://musescore.com/tobefree

    Zitat Zitat von derair
    also ich hab jetztd en internet explorer 9 und der ist toll
    der ist viel übersichtliger geworden und íst viel besser als fire fox
    "Alle aussteigen, wir klauen jetzt einen A380."

  7. #7
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Mit einem Scheinopfer sind ja meist die Motive Ablenkung und Hinlenkung verbunden. Daher sind solche Opfer Bestandteile einer Kombination.
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  8. #8
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Da fällt mir ein, ein zeitgenössischer GM hat mal über Alexander Aljechin gesagt, seine Kombination würde ich auch finden. Allein, ich komme nie in solche Stellungen. Irgendetwas hat Aljechin in seinem Spiel also richtig gemacht.
    Das dürfte Spielmann gewesen, der ja durchaus nicht geizig mit seinen kombinatorischen Gaben umgegangen ist und der Schachwelt einige Opfergaben samt Arbeitshinweisen "Richtig opfern" hinterlassen hat.

    Kombinationen kann man sich tatsächlich erarbeiten und beinahe erzwingen.
    Wer zu zwanghaft vorgeht, der wird aber bald feststellen, daß seine Kombinationen häufiger Verlustgeschäfte sind.

    Ein Weg, der die Kombinationswahrscheinlichkeit erhöht, ist der schon angedeutete Weg des Opferns. Ein Spieler stört das Gleichgewicht, indem er ein kleines (Bauer) oder größeres Materialopfer (Qualität oder Figur) erbringt, um zeitweise an hoffentlich entscheidender Stelle ein Übergewicht zu erzielen.
    Je mehr von beiden Seiten am Gleichgewicht herumgezerrt wird und je mehr sie Risiken eingehen, desto wahrscheinlicher wird es, daß Kombinationen möglich werden.
    Die Kombinationen stehen aber nicht nur dem Angreifer bei, sondern werden auch zur Verteidigung eingesetzt.
    Wenn man also nicht selbst die Intiative ergreift, dann kann es immerhin passieren, daß ein Angreifer den Verteidiger zu Abwehrkombinationen "zwingt".
    Erfahrungsgemäß finden die Mehrzahl der Schachspieler aber leichter Angriffsmotive als ebenso kombinatorische Abwehrmotive und -kombinationen.
    Vermutlich ist die Psychologie des Agierens/Angreifens (Attacke) weniger komplex als die Psychologie des Verteidigens (Abwehr, Gegenangriff, Flucht).

    Etliche Kombinationen ergeben sich aber auch aus Übersehen einer Seite.
    Es ist deshalb angeraten, die aktuellen Stellungsmerkmale immer nach typischen Kombinationsmotiven durchzuschauen und sich zu fragen, ob welche Veränderungen der letzte Zug des Gegners hervorgerufen hat.
    Grundsätzlich sollte man die Geometrie der Schachstellung im Auge behalten, also Gegenüberstellungen von Figuren auf Linien und Diagonalen.
    Ein inzwischen weithin bekanntes Hinweisschild für mögliche Kombinationen sind ungedeckte Figuren (LPDO).
    Eigene und fremde Bauernzüge sollten immer unter kombinatorischen Aspekten untersucht werden. Die Veränderungen der Bauernstruktur sind häufig Auslöser für die vielfältigsten Kombinationen.

    Zum "Erarbeiten" einer Kombination:
    Man muß auch mal etwas drohen und beim Gegner etwas angreifen, nachdem man nach einem Schwachpunkt beim Gegner gesucht hat.
    Ich hatte schon einige Partien, bei denen ich mich (im Nachhinein) gefragt habe, warum ich denn überhaupt keine Drohung aufgestellt habe. Also aktives Ausschauen nach Angriffspunkten darf nicht zu kurz kommen beim ganzen Manövrieren und "profi"laktischen Verteidigen.
    Geändert von zugzwang (01.07.2013 um 17:36 Uhr)

  9. #9
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ... In diesem Thread soll also darüber diskutiert werden, wie man sich selbst eine Kombination erarbeiten kann.
    ...
    1. Gutes positionelles Spiel als Grundlage für Kombinationen
    2. Offensives Spiel
    3. Steigender Druck und Komplexität erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Kombinationen
    ...
    Mal wieder zurück zu diesem Thema.
    Übergeordnet ist eigentlich nur: Wie gewinne ich eine Schachpartie.
    Etliche Partien gerade auch unter guten bzw. gleich starken Gegnern werden durch eigentlich "kleine" Kombinationen entschieden. Neben großartigen taktischen Kunststücken gibt es dann die weniger durch die Schachpresse aufgegriffenen Yuko(kleine Wertung)-Kombinationen.
    Capablanca und Fischer gelang es häufig, die Gegner solange mit Jabs zu bearbeiten, bis ein optisch kleiner, unaufgeregter taktischer Schlag die (Vor!?)entscheidung brachte.
    Die Gegner wurden hinsichtlich ihrer Schwächen mit der Führhand so zurechtgestellt, daß ein kurzer Uppercut möglich wurde, den losgelöst vom Gesamtbild auch etliche Amateurschachboxer oder Kandidatenmeister im Sparring im Gym finden. Die Kunst, wie man derartige Stellungen trotz clinchender oder sonstwie wehrhafter Gegner erreicht, konnte aber noch niemand dem Amateur 100%ig vermitteln. Es liegt vermutlich daran, daß als Vorarbeit über viele Züge/Runden zahlreiche Berechnungen und Einschätzungen/Schlagkombinationen und Beinarbeit erfolgen, die nur Schachgenies oder große Champions in der Konstanz und Präzision ohne Lücken in der eigenen Deckung leisten können.

    Nebenher wurden und werden Kombinationen aber auch auf dem Reißbrett ersonnen und resultieren aus intensiver Beschäftigung mit dem Schach und inbesondere mit der hartnäckigen Arbeit an Eröffnungen und ihren Strukturen.

    Ein mögliches Beispiel aus alter Zeit:

    Der junge Schachmeister Max Euwe spielte mit 20 Jahren ein Match gegen den damaligen Giganten Richard Reti.
    In ihrer ersten Partie ging Euwe den etablierten Meister im Stile eines Anderssen oder später Tal an. Eine damals aktuelle Eröffnungsvariante wurde diskutiert und nirgends ist der Ablauf so hautnah beschrieben wie in Walkers "Angriff auf den König".
    Partie und Kommentierung sind ein Lehrstück, das für immer im Gedächtnis bleibt.
    Matt also Knockout entscheidet die Partie ganz ohne Punktrichter und Fernsehanalyse
    Die Gewinnkombination findet sich im späteren Schachleben in einigen Veröffentlichungen wieder. Erst sehr viel später, mit der Nutzung von Datenbanken, kommt die Zusatzerkenntnis, daß Richard Reti die Gewinnkombination bereits zu Hause auf dem Analysebrett hatte.
    Vielleicht wurde auch schon irgendwo früher eine Analyse der Stellung verfaßt, die Reti kannte, aber Euwe nicht.
    Auf jeden Fall waren Motiv und Zugideen für Reti nicht ganz neu, wie seine unbekanntere Partie gegen einen Herrn Krueger vom Mannheimer Turnier 1914 zeigt.
    Ich habe jedenfalls die Vermutung, daß Reti sich die Kombination durch Analyse seiner eigenen Vorgängerpartie erarbeitet hat und dann gegen den jungen Euwe anwandte, der vermutlichglaubte, eine Verbesserung des Spiels von Krueger gegen den Meister anbringen zu können.

    Hier zuerst die Vorgängerpatie:


    [Event "Mannheim 1914"]
    [Date "1914.07.30"]
    [Round "9"]
    [Result "0-1"]
    [White "Paul Krueger"]
    [Black "Richard Reti"]
    [ECO "C56"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Nf6 4. d4 exd4 5. O-O Nxe4 6. Re1
    d5 7. Bxd5 Qxd5 8. Nc3 Qa5 9. Nxd4 Nxd4 10. Qxd4 f5 11. Bg5
    Qc5 12. Qd8+ Kf7 13. Nxe4 fxe4 14. Rad1 Bg4 15. Qxa8 Bxd1
    16. Rxe4 Bh5 17. Qxb7 Kg8 18. Be3 Qxc2 0-1


    Und anschließend die "Endfassung" Retis:


    [Event "Amsterdam match"]
    [Date "1920.??.??"]
    [EventDate "?"]
    [Round "01"]
    [Result "0-1"]
    [White "Max Euwe"]
    [Black "Richard Reti"]
    [ECO "C56"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Nf6 4. d4 exd4 5. O-O Nxe4 6. Re1
    d5 7. Bxd5 Qxd5 8. Nc3 Qa5 9. Nxd4 Nxd4 10. Qxd4 f5 11. Bg5
    Qc5 12. Qd8+ Kf7 13. Nxe4 fxe4 14. Rad1 Bd6 15. Qxh8 Qxg5
    16. f4 Qh4 17. Rxe4 Bh3 18. Qxa8 Bc5+ 19. Kh1 Bxg2+ 20. Kxg2
    Qg4+ 21. Kf1 Qf3+ 22. Ke1 Qf2# 0-1

    Auf jeden Fall scheinen Eröffnungssysteme unterschiedlich kombinationsgeladen zu sein und Gambit-Varianten erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit einer größeren kombinatorischen Entladung - egal ob Aggressor oder Gegenangreifer (=Verteidiger).

    Im gleichen Match gelang Reti übrigens ein weiterer "Anderssenangriff" mit doppeltem Turmopfer. Kann man hier eigentlich noch von einer Kombination sprechen oder sollte man das Vorgehen als kombinatorischen Opferangriff charakterisieren?
    Das Gambit war die Grundlage für eine kombinatorische Entladung.
    Dieses Partiebeispiel findet man im Schach(kinder)buch "ABC des Schachspiels" von Awerbach/Beilin (Sportverlag - mindestens 9 Auflagen):


    [Site "Rotterdam?"]
    [Date "1920.??.??"]
    [Round "4"]
    [Result "1-0"]
    [White "Richard Reti"]
    [Black "Max Euwe"]
    [ECO "A83"]

    1. d4 f5 2. e4 fxe4 3. Nc3 Nf6 4. Bg5 g6 5. f3 exf3 6. Nxf3
    Bg7 7. Bd3 c5 8. d5 Qb6 9. Qd2 Qxb2 10. Rb1 Nxd5 11. Nxd5
    Qxb1+ 12. Kf2 Qxh1 13. Bxe7 d6 14. Bxd6 Nc6 15. Bb5 Bd7
    16. Bxc6 bxc6 17. Qe2+ Kd8 18. Bc7+ Kc8 19. Qa6# 1-0

    Schade, daß uns Richard Reti, der durch seine Studien und positionellen Ideen viel bekannter ist, nicht mehr darlegen kann, wie er sich seine Kombinationsmöglichkeiten erarbeitete.
    Geändert von zugzwang (31.10.2013 um 22:32 Uhr)

  10. #10
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    AW: Wie erarbeite ich mir eine Kombination?

    Wie erarbeitet man sich heutzutage Kombinationen?
    In der Vorbereitung sind Datenbanken und engines hinzugekommen.
    Was Reti und andere Nachfolger zu Fuß machten, erledigt heute die weltweite Schach-NSA. Überall kanngeschüffelt und durch den Rechner gejagt werden. Teilweise mit menschlichen Doppelnullagenten oder sogar besser ohne sie.

    Die Großmeister zeichnete eine recht starkebindung an ihre Systeme aus. Sie kannten und kennen die Stellungen fast von Kindesbeinen an. Strukturen und Kombinationsmotive sind damit ebenso verinnerlicht wie Endspielübergänge, Endspieltypen und damit einhergehende Verfahren.
    Die Durchsicht fremder Ideen/Partien spielt damals wie heute eine Rolle.
    In etlichen Abspielen und Systemen einer Eröffnung findet man die gleichen Namen.
    So ist es fast unmöglich, in vielen Abspielen der Winawer-Variante in der Datenbank einen Weiß-Versuch zu finden, der nicht auch gegen Wolfgang Uhlmann schonmal ausprobiert wurde. Und nicht zu selten dürfte Uhlmann dies antizipiert und die Gegenmittel bereits zu Hause vorbereitet, egal wer ihm nun die Neuerung auftischt.
    Interessant wäre maleine Statistik von ihm, wann ihn welcher Zug wirklich überraschte und welche Abspiel er bereits vorher zu Hause auf dem Skizzenbrett und in seiner Kartei hatte.
    Andere Dauerbrenner der französischen Verteidigung sind z.B. Ivan Farago und Jesus Nogueiras. Die mußten und müssen damit rechnen, daß etwas gegen ihr System ausgekocht wird.

    So wehrte sich Nogiueiras beim Weltcup 1988 gegen Johan Hjartarson (zu diesem Zeitpunkt gehörten beide zu erweiterten Weltspitze, Hjartarson durfte sogar gen Karpov in einem Kandidatenmatch ran):

    [Event "Belfort"]
    [Site "Belfort"]
    [Date "1988.??.??"]
    [EventDate "?"]
    [Round "3"]
    [Result "0-1"]
    [White "Johann Hjartarson"]
    [Black "Jesus Nogueiras"]
    [ECO "C18"]
    [WhiteElo "2518"]
    [BlackElo "2597"]
    [PlyCount "66"]

    1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Bb4 4. e5 c5 5. a3 Bxc3+ 6. bxc3 Ne7
    7. Qg4 Qc7 8. Qxg7 Rg8 9. Qxh7 cxd4 10. Ne2 Nbc6 11. f4 Bd7
    12. Qd3 dxc3 13. Qxc3 O-O-O 14. Rb1 Nf5 15. Rg1 d4 16. Qd3 Na5
    17. g4 Ba4 18. c3 Bc2 19. Qxc2 d3 20. Qa2 Qc5 21. Rg2 Ne3
    22. Bxe3 Qxe3 23. Rg3 d2+ 24. Kd1 Qf2 25. Kc2 d1=Q+ 26. Rxd1
    Rxd1 27. Kxd1 Qxf1+ 28. Kd2 b5 29. Ke3 Nc4+ 30. Ke4 Qf2
    31. Qc2 Rxg4 32. Qd3 Rxf4+ 33. Nxf4 Nd2+ 0-1

    Diese Leben- oder Tod-Variante ist seit Jahrzehnten Diskussionsgegenstand der (Fern)schachgemeinde und ich denke, Nogueiras hatte die Verwicklungen ab 17. ...La4 zu einem Teil bereits zu Hause ausgekocht. Stellungstyp mit Taktiken kannte er aus eigener Theorie und Praxis.
    Doch auch Nogueiras Vorarbeit wurde von den Schachprofisseziertund sie fanden einen Weg, der Weiß gegen das Verfahren des Kubaners im Vorteil beläßt. So war der Partie- und Analysestand 2004/2005.

    Im Jahr 2007 folgte Andrei Volokitin - ein Spieler mit Potential >2700 und Autor des ebenfalls 2007 erschienenen Buches "Perfect Your Chess" den Empfehlungen und Erkenntnissen der Theorie (22. Sg3!?) (u.a. Psakhis - ein ausgewiesener Französisch-Kenner und Verfasser von Franz-Monografien).
    Doch irgendetwas muß schiefgegangen sein, obwohl wir uns schon in der engine-Zeit befinden. Die indische engine oder Intuition in Person von GM Suriya Ganguly setzte im Opferstil von Nogueiras fort und erlangte siegbringenden Vorteil.

    Heimanalyse mit oder ohne engine? Grundsätzlich ja. Allerdings sagt meine heutige Schwachstromengine (Hardware 2003!), daß S zwischendurch noch größeren vorteil erlangt hätte bei einer anderen Fortsetzung. Ich muß das nochmal überprüfen.
    Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, daß zumindest Ganguly als Spieler, der einen bekannt schwierigen Weg beschreitet, die Alternativen nicht vorher länger enginegecheckt hat.

    Hier das Geschehen und die Weiterentwicklung der Variante:


    [Event "6th Aeroflot Festival"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2007.02.14"]
    [EventDate "2007.02.14"]
    [Round "1"]
    [Result "0-1"]
    [White "Andrei Volokitin"]
    [Black "Surya Shekhar Ganguly"]
    [ECO "C18"]
    [WhiteElo "2645"]
    [BlackElo "2571"]

    1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Bb4 4. e5 c5 5. a3 Bxc3+ 6. bxc3 Ne7
    7. Qg4 Qc7 8. Qxg7 Rg8 9. Qxh7 cxd4 10. Ne2 Nbc6 11. f4 Bd7
    12. Qd3 dxc3 13. Qxc3 O-O-O 14. Rb1 Nf5 15. Rg1 d4 16. Qd3 Na5
    17. g4 Ba4 18. c3 Bc2 19. Qxc2 d3 20. Qa2 Qc5 21. Rg2 Ne3
    22. Ng3 Rxg4 23. Rf2 Nac4 24. Qb3 b6 25. Qa4 Nc2+ 26. Rxc2
    dxc2 27. Qxc2 Ne3 28. Qe4 Rd1+ 29. Ke2 Nd5 30. Bd2 Rxb1
    31. Qxb1 Rxf4 32. Qd3 Rf2+ 33. Kd1 Qxa3 34. Qa6+ Qxa6
    35. Bxa6+ Kb8 36. h4 Rh2 37. h5 Rh3 38. Be1 Nf4 39. Be2 Nxe2
    40. Kxe2 a5 41. Kf3 a4 42. Kg4 Rh2 43. c4 a3 44. Kg5 a2
    45. Bc3 Rg2 46. Kg4 Rc2 47. Ba1 Rxc4+ 48. Kg5 Rc1 49. Bb2 Rg1
    50. Kf4 Kc7 51. h6 a1=Q 52. Bxa1 Rxa1 53. h7 Ra8 54. Kg5 Kc6
    55. Ne4 Rh8 56. Kh6 Kd5 57. Nd6 Rxh7+ 58. Kxh7 Kxe5 59. Nxf7+
    Kd5 60. Kg6 b5 61. Ng5 b4 62. Nf3 e5 63. Kf5 e4 64. Ng5 e3
    65. Kf4 e2 66. Nf3 b3 0-1

    Die kritischen Stellen sind nach meinem noch oberflächlichen enginecheck:

    22. ... Txg4 Neuerung und vermutlich Verbesserung der früheren Analysen in Richtung =

    24. Db3 und 25. Da4 - Weiß gerät in Nachteil

    25. ... Sc2 - Verpaßt Schwarz hier einen Uppercut in Form von 25. ... Txg3 oder sollte ich meine engine länger drüberlaufen lassen, um zu sehen, ob er/sie immer noch zu Txg3 rät?
    Oder sollte ich besser mal den eigenen Kopf und ggf. das Magnetschach bemühen?

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