Wenn über die totale Dominanz von einzigartigen Schachspielern gegenüber dem Rest der Welt gesprochen wird, dann kommt einem in erster Linie neben Paul Morphy sein US-amerikanischer Landsmann Robert James Fischer in den Sinn. Wir verbinden diese Meinung oft mit Fischers überragenden Sturmlauf zur WM 1972 in Reykjavik, als er im Qualifikationsviertelfinale Mark Taimanov und im Halbfinale Bent Larsen, also zwei absolute Größen ihrer Zeit, jeweils mit der Höchststrafe von 6:0 abfertigte, um dann im Qualifikationsfinale mit Tigran Petrosjan immerhin einen Ex-Weltmeister mit 6,5-2,5 ebenfalls recht deutlich zu deklassieren. Die Geschehnisse dann in Reykjavik sind ja bekannt, dort gewann Fischer in einem hochgradig politisierten WM-Kampf gegen Boris Spasski mit 12,5-8,5 und konnte sich dabei sogar den Luxus leisten, eine Partie, nämlich die 2. Matchpartie, kampflos herzuschenken.

Allerdings währte seine Blütezeit nur recht kurz, denn danach verließ Robert James Fischer die Bühne des Profischachs für immer. Weitaus konstanter war deshalb die Dominanz von Emanuel Lasker, der den Thron stolze 27 Jahre behaupten konnte und damit der längste Weltmeister der Schachgeschichte bis heute geblieben ist. Wahrscheinlich ist es ein ewiger Rekord. Lasker hatte nur einmal, nämlich 1908, mit einem Gegner in einem WM-Finale Probleme. Damals „gewann“ Lasker unter Ausnutzung des WM-Privilegs, daß bei Gleichstand der Titelverteidiger seinen Titel behält, gegen den Österreicher Carl Schlechter nur mit 5:5 und lag den ganzen WM-Kampf über zurück. Erst in der letzten Partie konnte der große Kämpfer Lasker seine kämpferischen Qualitäten unter Beweis stellen und mit einem Sieg den Titel noch sichern.

Aber ansonsten waren seine WM-Finals wirklich von einer eindrucksvollen Dominanz. 1896/97 bezwang er seinen Vorgänger Wilhelm Steinitz in Moskau mit 12,5-4,5; 1907 besiegte Lasker den US-Amerikaner Frank James Marschall mit 11,5-3,5; 1908 besiegte er seinen deutschen Rivalen Siegbert Tarrasch in München und Düsseldorf mit 10,5-5,5 (Tarrasch schob sein schlechtes Abschneiden auf das „böige Meeresklima“ in Düsseldorf); 1909 deklassierte er in Paris David Janowski mit 8:2 und 1910 noch deutlicher mit 9,5-1,5. Erst 1921 kam endlich die Wachablösung durch den Kubaner Jose Raul Capablanca.

Deshalb meine Frage, ob nicht die wesentlich längere Dominanz Laskers der „kurzen, aber heftigen“ Dominanz von Robert Fischer vorzuziehen ist.