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Thema: Typische Rechenfehler beim Schach

  1. #1
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    Typische Rechenfehler beim Schach

    In der Schachpsychologie geht es beileibe nicht nur um wahnhafte oder anderweitig verschrobene Schachspieler, sondern auch gerne einmal um praktische Aspekte des Spiels. Denn das Berechnen von Varianten ist mitunter sehr schwierig und alles andere als ein Zuckerschlecken. Vor allem demotiviert es viele, daß sie zwangsläufig gerade in komplizierten und motivarmen Stellungsbildern nur allzu schnell auf ihre natürliche Grenze stoßen. Und wem passieren nicht allzuoft beim Berechnen Fehler? Aufgrund dieser Problematik weichen viele Schachspieler gerne auf einfache Stellungsbilder aus, wo man sehr gut intuitiv spielen kann ohne großartig rechnen zu müssen. Wo die einen die Chancen sehen, sehen andere das Risiko.

    In der Schachpsychologie hat man so herausgefunden, daß es drei typische Fehler beim Berechnen von Varianten gibt, und zwar das Restbild, das vorweggenommene Bild sowie das träge Abbild. Genauere Erläuterung und Beispiele siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schachpsychologie#Restbild

    Ich selbst habe meine eigene Problematik beim Variantenberechnen dort sehr gut wiedergefunden. Doch wie geht es euch so? Kommen euch diese Probleme nur allzu bekannt vor oder versteht ihr nicht, was manche Schachspieler doch für "absurde" Probleme mit sich herumschleppen? Dann diskutiert.
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  2. #2
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    AW: Typische Rechenfehler beim Schach

    Rechenfehler machen für mich das Schachspiel ehrlich gesagt sogar aus. Man ist während der Partie eben dazu gezwungen mehrere Variante parallel im Kopf zu jonglieren und gegeneinander abzuwägen. Das geht eben nicht fehlerfrei und das finde ich das faszinierende beim Schach, dass man es eben nicht schafft alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

    Ich erwische mich selbst oft dabei, dass ich zu intuitiv spiele, wenn ich längere Zeit keine Taktikaufgaben gelöst habe oder mal eben schnell ziehen will. Dann hat man sich das nicht sauber überlegt, hat den besseren Zug verpasst und der Gegner hat im Optimalfall noch einen netten Konter.
    Wenn ich längere Zeit keine Taktikaufgaben mehr gelöst habe, suche ich teilweise auch nicht nach taktischen Drohungen, weil ich denke, es gibt keine. Dumm wenn der Gegner doch eine hat.
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  3. #3
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    AW: Typische Rechenfehler beim Schach

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    In der Schachpsychologie hat man so herausgefunden, daß es drei typische Fehler beim Berechnen von Varianten gibt, und zwar das Restbild, das vorweggenommene Bild sowie das träge Abbild. Genauere Erläuterung und Beispiele siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schachpsychologie#Restbild
    Auf das Restbild-Beispiel bin ich auch hereingefallen, bis ich mir die vollständige Begründung durchgelesen habe.


    Auch für mich sind Rechenfehler ein wichtiger Teil des Schachspiels. Wenn es im Schach so etwas wie "Glück" gibt, dann sind es gegnerische Rechenfehler.
    http://musescore.com/tobefree

    Zitat Zitat von derair
    also ich hab jetztd en internet explorer 9 und der ist toll
    der ist viel übersichtliger geworden und íst viel besser als fire fox
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  4. #4
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    AW: Typische Rechenfehler beim Schach

    Zitat Zitat von ToBeFree Beitrag anzeigen
    Wenn es im Schach so etwas wie "Glück" gibt, dann sind es gegnerische Rechenfehler.
    Richtig. Wie in jedem Sport und jedem Spiel ohne Glücksfaktor ist am Ende das größere menschliche Versagen ausschlaggebend.
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  5. #5
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    AW: Typische Rechenfehler beim Schach

    Erst vor drei Tagen wurde ich Opfer des Vorweggenommenes Bildes(!), und verlor so eine Partie, wie ich euch gleich zeigen werde.

    Sehr schöner Wiki-Eintrag, den du da gefunden hast Kiffing. Auf das Restbild-Beispiel des Wiki-Eintrags bin ich zwar nicht reingefallen, allerdings habe ich alle drei Fehler schon in Partien begangen. Ich habe vermutlich schon dran gearbeitet, um diese Restbildfehler zu meiden, so dass es mir nicht nochmal so leicht passiert.
    Meine neue Baustelle gehört dem Vorweggenommenen Bild, an dem ich arbeiten muss, damit die Wirklichkeit nicht mehr durch die Vorstellung verdrängt wird, sodass der künftige, geplante Partieverlauf als real existierend angesehen und überschätzt wird.

    Weiß am Zug, Schwarz spielte eben 29..Sd4

    //FEN_Bild_Drzej.png

    Es drohte natürlich Sb3+ mit Gabel auf Turm und König.
    Nach 30.Sxc5 ist das Feld b3 überdeckt, so dass weder Sb3+ noch Tb3 geht. Alle früheren und späteren Ideen von einem Vorstoß des bauern c5 nach c4 wären damit unterminiert und ich könnte meinen Springer später mit b4 decken. Ich habe schon im 28. Zug erwartet dass der Bauer nach c4 vorstößt, was da sehr unangenehm gewesen wäre. Also war ich beruhigt mit 30.Sxc5 den Schwarzen plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen, indem ich den Bauern eliminiere und geschickt der Drohung Sb3+ aus dem Weg gehe indem ich dieses Feld überdecke. Nach 30..Txb2+ habe ich erstmal gedanklich diesen Smilie hier nachgemacht: und die Hand zur Aufgabe gereicht, weil ich eine ganze Figur verliere.

    Ich habe eben so geschwärmt, dass ich vom Restbild befreit zu sein scheine. Leider ist es wohl nicht so, da nach 30.Sxc5?? ich das Restbild im Kopf hatte, dass der b2 Bauer ja noch gedeckt ist, was er ja leider nicht mehr war. Sonst wäre Sxc5 ein guter Zug. Aber Schach ist nunmal kein Wunschkonzert.

    30. Ke3 war by the way mein Intuitionszug, für den ich mich bekanntlich leider nicht entschieden habe..



    In der Selben Partie gabs zuvor einen weiteren psychologischen Fehler, nämlich das Träge Abbild, bzw das mechanische Bild.
    Diese Partie scheint für mich ein Lehrbeispiel von psychologischen Fehlern zu sein. Lest dazu die folgenden Kommentare und zieht dazu die Stellung im pgn-viewer bis zu dem Moment nach wo die Zugzahl in bold/fett geschrieben steht.

    Ich habe mir nach einem im 6. Zug zur Stellung nicht passenden b6 einen Eröffnungsvorteil erspielt.
    Nach 13. Zügen von weiß und schwarz habe ich einen Bauern gewonnen, und dem Gegner einen hässlichen Doppelbauern auf der f Linie verpasst. Dafür bin ich mit der Entwicklung ein wenig zurück, was aber in der Stellung absolut keinen Nachteil mitbringen sollte, sobald ich meine Puppen zügig entwickle.
    Aber jetzt ist es doch eigentlich nur noch eine Frage der Technik, so dachte ich und bin somit in die Falle des Psychologischen Fehlers "Träges Abbild" getappst:
    Was mein Gegner jetzt noch versuchen kann liegt doch klar auf der Hand. Er wird Lb7 spielen gefolgt von Tb8 um meinen Bauern auf g2 anzugreifen und mich versuchen an meiner Entwicklung zu hemmen. Wie geh ich dagegen vor?
    Vor 14.e3 Lxf1 hatte ich keine Angst, weil damit nimmt er sich seine einzige Drohung und mein König braucht im quasi Endspiel nicht zu rochieren. Aber was mache ich nach 14..Lb7? Also ein Plan muss her:
    Überlegt mal an der Stelle selbst zur Übung, wie würdet ihr vorgehen?


    gefolgt von späteren Sf4 war meine Idee. Der Springer stellt sich auf ein schönes Vorposten Feld, von dem er nicht vertrieben werden kann und überdeckt g2. ge*wait for it*wieft, nicht?! so dachte ich.
    Aber nach 16..Sf8 sah ich mich unter Probleme.
    Der Gegnerische Gaul droht meinen nach Se6 oder Sg6 im nächsten abzutauschen und stellt zudem die Drohung auf den Druck auf b2 zu verstärken: Also um das mal zu verdeutlichen, Der Springer droht von 16.Sf8 nach e6 oder g6 zu gelangen und setzt meinen so schön und aufwendig positionierten Gaul unter Druck. Wenn ich abtausche, repariere ich seine komplett ruinierte Bauernstruktur. nach 17.Tg1 17..Sg6 18.Springer zieht weg (z.B. 18.Sd3 oder Se2 oder Sh5) 18..Sh4 ist der Bauer g2 dreimal angegriffen und kann nicht mehr gerettet werden. nach 19.g3?? folgt auf Sf3+ die Gabel auf den Turm. Der ganze Turm geht flöten, nicht nur die Qualität, da der Springer sich zurückziehen kann und der König nicht den Turm deckt.
    Es muss also eine Lösung für den 17. Zug gefunden werden. Meine Lösung: 17.Le2? Sieht wieder gewieft aus, lässt den Bauern ungedeckt, der aber Taktisch nicht sofort genommen werden kann, denn nach 17..Lxb2?? folgt Tg1 und der ungedeckte Turm auf g8 hat Probleme, weshalb der Läufer nicht zurückziehen kann und verloren geht. 17..Txg2 verschenkt durch den Springerrückzug Sxg2 die Qualle.
    Problem, und so kam auch. Nach 17..Se6 wird mein verteidigender Springer befragt, verbindet die Türme und mein Mehrbauer geht flöten. Es bleibt mir für die Partie nur noch die Hoffnung der besseren Bauernstruktur..
    Wieso das alles? Ich habe meinem Gegner und dessen Plänen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt und deswegen nach verzwickten Lösungen gesucht. Stattdessen hätte ein einfaches 14.e3 Lxf1 mri wie oben erwähnt keinerlei Probleme des g2 mehr bereitet und nach 14.e3 Lb7 15. f3 Tg1 16.Kf2 könnte dem Sieg nichts mehr im Wege stehen.
    Im 28.. Zug fand ich 28.c4 sehr unangenehm, was mich zu meinem letzten Fehler verleitete. Denn statt dem simplen f3, Kf2 Plan's kam ich in eine Stellung rein in der mir mit 30.Sxc5?? mein letzter Fehler in der Partie unterlief..

    Zum Partieverlauf: [Event "Vereinsmeisterschaft 2012"]
    [Site "?"]
    [Date "2012.06.08"]
    [Round "7"]
    [White "Prof.Dr.Zej"]
    [Black "Gegner mit ganzen 2 DWZ Punkten weniger"]
    [Result "0-1"]
    [ECO "E36"]
    [WhiteElo ""]
    [BlackElo ""]
    [PlyCount "60"]

    1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. Qc2 d5 5. a3 Bxc3+ 6. Qxc3 b6 7. cxd5 exd5 8.
    Bg5 Nbd7 9. Qc6 Ba6 10. Bxf6 gxf6 11. Qxd5 Rb8 12. Qe4+ Qe7 13. Qxe7+ Kxe7 14.
    Nh3 Bb7 15. e3 Rhg8 16. Nf4 Nf8 17. Be2 Ne6 18. Nd3 Bxg2 19. Rg1 Be4 20. Kd2
    Ng5 21. Rg3 Rg7 22. h4 Ne6 23. Rxg7 Nxg7 24. f3 Bg6 25. Nb4 Kd6 26. e4 c5 27.
    dxc5+ bxc5 28. Nd3 Ne6 29. Rc1 Nd4 30. Nxc5 $4 Rxb2+ 0-1

    Geändert von Dr.Zej (12.06.2012 um 06:53 Uhr)

  6. #6
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    AW: Typische Rechenfehler beim Schach

    Da erinnere ich mich doch gleich an den jüngsten Vorfall, gespielt in der 6. Runde beim SoS. Ich war Weiß:



    Da unterliefen mir gleich zwei (!) Restbildfehler in einem Zug. Ich spielte 17. e5?, mit der Idee, nach 17. ...dxe5 18. Txd7+?? Txd7 19. Lb6 Db4 20. a3 die Dame zu fangen, übersah aber, daß die Dame jetzt sowohl nach d6 als auch nach f4 kann. Denn das Stellungsbild hatte sich nun geändert. Es steht kein Läufer mehr auf e3, der f4 deckt, und der Bd6 hat seinen Platz verlassen, so daß d6 für die Dame nun freigeworden ist.

    Ich hoffe, wenn man sich dieses Problems bewußt ist mit den drei typischen Rechenfehlern, hat man größere Chancen, sie zu vermeiden.
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