Bei der Weltmeisterschaft von 1908 in Düsseldorf und München hatte Emanuel Lasker mit seinem Erzrivalen Dr. Siegbert Tarrasch wenig Probleme. Er gewann klar mit 10,5-5,5 und lag den ganzen Wettkampf über immer weit vorne. Erfreulich war an dieser WM die Vielzahl an entschiedenen Partien, es gab nur wenige Remis, was für die Kreativität und den Kampfgeist beider Kontrahenten spricht.

Besonders Lasker war für seine strategische Kreativität bekannt, die oft psychologisch auf die Besonderheiten des jeweiligen Gegners abgestimmt war. In der 4. Matchpartie in Düsseldorf sehen wir solch ein Exempel. Tarrasch hat hier einen gewissen Druck entwickelt und plante die Überführung des Springers über d4 nach f5, bis Lasker im 15. Zug ein originelles Turmmanöver entkorkte, was er selbst damit begründete: "Der Turm bringt sich selbst in eine gefährliche Lage und nimmt die gesamte Last des weißen Angriffs auf sich".

Weiß beißt sich irgendwie an den Turm fest, kommt nicht weiter und entscheidet sich in seiner Not für eine Fehlkombination, die von Lasker glänzend pariert wurde (Reti: "Tarrasch sucht eine kombinatorische Lösung, aber wie die meisten Kombinationen, die von Verzweiflung diktiert sind, funktioniert sie nicht").

Am Ende steht wieder mal ein Musterbeispiel für Laskers tiefe psychologische Zermürbungstaktik. Vielleicht hatte er in dem "praeceptor germaniae" auch ein leichtes Opfer. Denn Tarrasch war ein berechenbarer Schachspieler.

[Event "World Championship 8th"]
[Site "Germany"]
[Date "1908.08.24"]
[Round "4"]
[White "Tarrasch, Siegbert"]
[Black "Lasker, Emanuel"]
[Result "0-1"]
[ECO "C66"]
[PlyCount "82"]
[EventDate "1908.08.17"]
[Source "ChessBase"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nf6 4. O-O d6 5. d4 Bd7 6. Nc3 Be7 7. Re1 exd4 8.
Nxd4 Nxd4 9. Qxd4 Bxb5 10. Nxb5 O-O 11. Bg5 h6 12. Bh4 Re8 13. Rad1 Nd7 14.
Bxe7 Rxe7 15. Qc3 Re5 16. Nd4 Rc5 17. Qb3 Nb6 18. f4 Qf6 19. Qf3 Re8 20. c3 a5
21. b3 a4 22. b4 Rc4 23. g3 Rd8 24. Re3 c5 25. Nb5 cxb4 26. Rxd6 Rxd6 27. e5
Rxf4 28. gxf4 Qg6+ 29. Kh1 Qb1+ 30. Kg2 Rd2+ 31. Re2 Qxa2 32. Rxd2 Qxd2+ 33.
Kg3 a3 34. e6 Qe1+ 35. Kg4 Qxe6+ 36. f5 Qc4+ 37. Nd4 a2 38. Qd1 Nd5 39. Qa4
Nxc3 40. Qe8+ Kh7 41. Kh5 a1=Q 0-1