Eigentlich wollte Amos Burn während der Partie gegen Frank Marshall nur in Ruhe seine Pfeife rauchen. Doch wie es das Schicksal so wollte, kam immer etwas dazwischen. Frank Marshall selbst kommentierte diese Episode humorvoll in seinem Werk 50 Jahre am Schachbrett:

"Meinen Sieg in dieser Partie schreibe ich der Tatsache zu, daß mein Partner in ihrem Verlauf keine Zeit fand, seine Pfeife zu rauchen. Der Engländer Amos Burn war ein Schachspieler alten Schlages, der einen langwierigen und zähen Kampf in Stellungen geschlossenen Typs über alles liebte. Er ließ sich am Brett gerade zu häuslich nieder und studierte die Möglichkeiten ausdauernd und geduldig, immer mit der unvermeidlichen Pfeife zwischen den Zähnen."
1. d4 d5 2. c4 "Als ich meinen zweiten Zug machte, kramte Burn aus seinen Taschen Tabak und Pfeife hervor."
2. ...e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Le7 "Diese Züge kosteten nicht allzuviel Zeit, und Burn begann, nachdem er den Pfeifenreiniger gefunden hatte, mit entsprechenden Vorbereitungen"
5. e3 0-0 6. Sf3 b6 7. Ld3 Lb7 8. cxd5 exd5 "Hier schickte er sich an, die Pfeife mit Tabak zu stopfen. Ich beschleunigte meine Züge."
9. Lxf6 Lxf6 10. h4 "Dies zwang ihn zum Nachdenken und seine Pfeife vorübergehend in Ruhe zu lassen. Die Drohung 11. Lxh7+ Kxh7 12. Sg5+ ist als Pillsbury-Angriff bekannt."
10. ...g6? 11. h5 Te8 12. hxg6 hxg6 "Danach ging die Suche nach Streichhölzern los."
13. Dc2 Lg7? 14. Lxg6+ fxg6 "Burn entzündete ein Streichholz, war aber sichtlich nervös geworden. Es verbrannte ihm die Finger und erlosch."
15. Dxg6 Sd7 "Ein anderes Streichholz mußte herhalten."
16. Sg5 Df6 "Endlich konnte er die Pfeife in Gang setzen, sie zu rauchen blieb indes keine Zeit mehr."
17. Th8+! "Armer Burn! Ich wurde das Gefühl nicht los, ihn mächtig übers Ohr gehauen zu haben. Wenn er es geschafft hätte, sich ordnungsgemäß die Pfeife anzustecken, vielleicht wäre dann alles ganz anders gekommen. Burn nahm die Niederlage äußerst gelassen hin, und wir schüttelten uns die Hände. Danach versagte die Pfeife erneut ihren Dienst"

[Event "Paris"]
[Site "14"]
[Date "1900.??.??"]
[EventDate "?"]
[Round "?"]
[Result "1-0"]
[White "Frank James Marshall"]
[Black "Amos Burn"]
[ECO "D55"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "36"]

1.d4 {Notes by Marshall. Britisher Amos Burn was a very
conservative player who liked to settle down for a long
session of closed, defensive chess. He loved to smoke his pipe
while he studied the board.} d5 2.c4 e6 {Burn began hunting
through his pockets for his pipe and tobacco. } 3.Nc3 Nf6
4.Bg5 Be7 {Not much thought needed on these moves, but Burn
had his pipe out and was looking for a pipe cleaner.} 5.e3 O-O
6.Nf3 b6 7.Bd3 Bb7 8.cxd5 exd5 { He began filling up his
pipe. I speeded up my moves.} 9.Bxf6 Bxf6 10.h4 { Made him
think on that one. And he still didn't have the pipe
going. The threat is Bxh7+, Kxh7; Ng5+, known as the Pillsbury
Attack.} g6 11.h5 Re8 12.hxg6 hxg6 { Now he was looking for
matches. } 13.Qc2 Bg7 14.Bxg6 fxg6 { He struck a match and
appeared nervous. The match burned his fingers and went
out. }15.Qxg6 Nd7 {Another match was on its way. } 16.Ng5 Qf6
{ He was puffing away and lighting up at last, but too late. }
17.Rh8+ Kxh8 18. Qh7# { Poor Burn. I think I swindled him out
of that one. If he could only have got that pipe going, it
might have been a different story. He took it good naturedly
and we shook hands. Then his pipe went out. } 1-0

Zitate und Informationen aus Ripperger, Wieteck, Ziegler, Die Säulen des Schachs - Paris, Verlag ChessCoach, 2012, S. 195ff.