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Thema: Warum diese Selbstzerfleischung?

  1. #1
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    Warum diese Selbstzerfleischung?



    Vor ein paar Tagen fand ich irgendwo in den tiefsten Niederungen des Internets folgende Zeilen eines Schachspielers (!):

    Das Schachspieler intelligente Leute sind, ist ein Märchen, dass die Mehrheit der Nichtschachspieler glaubt.

    Wenn man mal in der Schachszene drin ist, findet man zu 99% Typen, die einfach neben der Kappe sind und die soziale Kompetenz einer Scheibe Toast haben.

    Schachspieler sind FREAKS !
    Nun könnte man das Pamphlet einfach als Zeilen eines "mutmaßlich" äußerst verbitterten Menschen abtun, der verärgert darüber ist, daß er in der Schachwelt offensichtlich nicht richtig Fuß fassen kann oder will. Doch da ich diese Position, übrigens immer nur von Schachspielern selber und nie (!) von Nichtschachspielern geäußert, schon zur Genüge kenne, steckt da mehr dahinter.

    Dazu kann man nun viel sagen, und das tue ich auch, sogar sehr gerne, denn diese Position, so gefährlich sie für die Schachwelt auch sein mag, bietet doch aufgrund der reinen Schlagwortartigkeit reichlich Raum für Gegenspiel. Mir persönlich gefällt z. B. der Pejorativ schon mal überhaupt nicht. „Total neben der Kappe“, was heißt das? Und was soll diese Abfälligkeit gegenüber Personen, die aus welchen Gründen auch immer, die der Thesengeber überhaupt nicht kennt, nicht unbedingt im Mainstream herumschwimmen wollen oder können? Schwebt da jemandem das zweifelhafte Ideal einer monolithischen Gesellschaft vor, die immer stramm im Gleichschritt alles Andere und Kranke zermalmt? Und möchte man selbst gar dazugehören? Diese Geisteshaltung ist für mich vom Charakter her schon rechtsradikal, und was die „soziale Kompetenz“ solcherart von Kritikern angeht, so ist mir in meiner langen „Schachforenkarriere“ vor allem eins aufgefallen, daß nämlich diejenigen, die ihre eigene Klientel mit diesen Klischees so gerne öffentlichkeitswirksam abwatschen, sich in Wirklichkeit selbst weder freundlich, umgänglich noch konstruktiv gebärden, sondern im Gegenteil dafür bekannt sind, andere Foristen gerne schon mal anzufallen, bei jeder Gelegenheit Gift und Galle zu speien und den Konflikt förmlich anzuziehen, was doch einiges von der bei anderen bemängelten „Sozialkompetenz“ bei sich selber vermissen läßt. Es fehlt da einfach an Toleranz, und das ist nur ein Teil des Problems. Wer andere gerne erniedrigt, um sich selbst zu erhöhen, ist nicht besser als die anderen. Schon in der Bibel kann man zu diesem Wesenszug viele schöne Gleichnisse finden.

    Das weitere Problem sind die Fakten. 99 Prozent der Schachspieler sind also „neben der Kappe“, was dann nach Adam Riese 99 von 100 Schachspielern wären, minus dem Thesengeber, versteht sich. Gut, die Diskussion, ob Schachspieler komisch seien, hatten wir mal. So ist es mir bspw. immer noch nicht plausibel, wieso man „neben der Kappe“ sein soll, wenn man beginnt, sich für dieses Spiel so zu interessieren wie Fußball- oder Basketball-Interessierte, die dann einen Verein für ihr Hobby aufsuchen, oder gar nach intensiver Beschäftigung mit dem Schach „neben der Kappe“ wird. Höchstens könnte man da einen verstärkten Hang zum Individualismus diagnostizieren, weil man sich für einen Einzel- und nicht für einen Mannschaftssport entschieden hat, aber ich selber habe lieber zahlreiche Individualisten um mich herum als lauter Massemenschen, die sich von dem anderen nur wenig unterscheiden. Und wenn man seine Zeit damit verbringt, sich das Schach näherzubringen, so ist es doch sicherlich nicht schlechter, als wenn man seine Zeit mit WoW oder ähnlichem verbringt, warum soll das eine normal und das andere krank sein?

    Es ist doch vielmehr so, daß der Schachsport selbst im Prinzip von jedem potentiell ausgeübt werden kann und daß die Gebühren für die Vereine leicht zu stemmen sind, so daß das Schach also in keiner Weise elitär ist wie etwa das Tennis oder das Golfspiel. Genau das hat dann zur Folge, daß das Schach sozusagen mehr oder weniger den Querschnitt der Gesellschaft repräsentiert, so daß die Adresse der ganzen Anfeindungen also eher der Mensch als der Schachspieler sein sollte, auch wenn mich ziemlich offensichtlich beschleicht, daß die Kritikpunkte hier grundverschieden sind. Jedenfalls halte ich das für eine ziemlich weit hergeholte Verschwörungstheorie, daß das Schachspiel von Randgruppen okkupiert worden sei, die auch nicht wahrer wird, je mehr man sie wiederholt. Hier stimmen weder Aussage noch Motiv. Was mich als Diskussionsthema hier vor allem interessiert, warum viele Schachspieler offensichtlich gar nicht anders können als ihre eigene (!) Interessensgruppe bei jeder sich zu bietenden Gelegenheit selbst in den Schmutz zu ziehen. Woher also dieser Selbsthaß, warum diese Selbstzerfleischung?
    Geändert von Kiffing (09.08.2014 um 20:03 Uhr) Grund: verschollenes Bild ersetzt
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  2. #2
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    AW: Warum diese Selbstzerfleischung?

    Ich habe in meiner kurzen Schachkarriere bisher nur gute Erfahrungen mit Schachspielern gemacht. Von wenigen Ausnahmen (Beschimpfungen beim Online-Spielen) abgesehen, habe ich nur freundliche Menschen getroffen.
    Man muß dazusagen, daß ich nicht in einem Verein spiele. Vielleicht schaut´s da etwas anders aus. Möglicherweise machen manche Spieler ihre Mitspieler schlecht, um sich selbst zu schützen: Bei einem "richtigen" Sport kann man sich eine Niederlage leicht eingestehen - der Gegner ist halt stärker, da kann man nichts machen. Beim Schach, als geistigem Sport, fällt dieses Eingeständnis nicht so leicht - wer gibt schon gerne zu, dümmer zu sein, als jemand anderes? Da kann es durchaus helfen, wenn man Schachspieler allgemein als "Freaks" und "neben der Kappe" bezeichnet.

  3. #3
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    AW: Warum diese Selbstzerfleischung?

    Das Zitat sagt nur etwas über den ahnungslosen Schreiber und seine Vorurteile aus.

  4. #4
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    AW: Warum diese Selbstzerfleischung?

    @Kampfkeks da kann ich dich beruhigen. Im Verein kommt es so gut wie nie vor, dass Schachspieler zu schimpfen anfangen. Dieses Problem gibt es fast nur im anonymen Internet. Es hat auch nichts mit Schach zu tun, da ich neben Schach auch gerne mal andere Online Spiele ausprobiere, konnte ich feststellen. Beschimpfungen gibt es bei jedem Online Spiel. Zum Glück jedoch so selten, dass ich den Spaß am Online-Spiel nicht verloren habe und auch nie verlieren werde.
    - Schach wird in allen Bildungsschichten und Altersschichten gespielt, deswegen kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Schachspieler sich von den nicht Schachspielern besonders unterscheiden.
    - Ist es wirklich so, dass ein Schachspieler A der Schachspieler B leicht besiegen kann klüger ist? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.

  5. #5
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    AW: Warum diese Selbstzerfleischung?

    Zitat Zitat von sorim Beitrag anzeigen
    - Ist es wirklich so, dass ein Schachspieler A der Schachspieler B leicht besiegen kann klüger ist? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
    Vom Gefühl her schon.

  6. #6
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    AW: Warum diese Selbstzerfleischung?

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